Rezension: Lilach Mer – Winterkind


„Es war einmal, mitten im Winter…“

Blanka von Rapp hat alles, was eine junge Frau um 1880 nur glücklich machen kann. Sie ist hübsch, hat einen reichen Mann, ein schönes Haus mit winterkind coverAngestellten und eine Tochter. Die schlechte Wirtschaftslage wirft allerdings einen dunklen Schatten auf das Familienglück und als Blanka allein im tiefsten Winter im Haus zurückbleibt, werden nicht nur die Lohn fordernden Arbeiter ihres Mannes zum Problem. Ein Erbstück ihrer Mutter zieht sie zurück in die Vergangenheit und offenbart verdrängte Geheimnisse.

 Wir finden uns wieder in Niedersachsen und in einer Zeit, in der förmliche Anreden, schickes gepflegtes Äußeres auch daheim noch zum Anstand gehörten. Man muss sich erst einmal an die etwas gehobenere Sprache gewöhnen, doch nach ein paar gelesenen Seiten war das für mich kein Problem mehr und ich tauchte ein in den tiefen Winter.
Blanka wird als sehr vornehme, junge Frau beschrieben, die ich mir sehr gut vorstellen konnte, wie sie in ihren tollen Gewändern durch das Haus spaziert, dennoch bekam ich immer wieder ein Zeichen, dass mir ihr irgendetwas nicht stimmt. Als das Erbstück bei ihr eintrifft, kommen die Erinnerungen an ihre Mutter und ihre Kindheit. Hier hatte ich das Gefühl ich tauche in das Märchen von Schneewittchen ein. Ganz unauffällig und schön eingebaut.
Blanka verändert sich, wird härter zu sich selbst, ihren Angestellten und ihrer plötzlich erkrankten Tochter. Halt und Unterstützung, bekommt die Dame des Hauses von der Gouvernante Sophie. Diese ist sehr liebenswürdig, der Familie treu ergeben und steht Blanka mit Rat und Tat zur Seite. Ohne diese Stütze wäre Frau von Rapp sicherlich schneller an ihren Geheimnissen und deren Folgen zerbrochen.
Ein wenig schleppend geht die Geschichte zunächst voran, sodass ich fast abbrechen wollte, doch dann wurde es spannender, interessanter und abwechslungsreicher. Die Geschichte gewann an Fahrt, so konnte ich gar nicht anders als die letzten 150 Seiten in einem Rutsch zu lesen. Ich konnte mich sehr gut in beide Charaktere hineinversetzen, die Traurigkeit, das Leiden der Blanka ging mir sehr nahe. Dieser Druck und die Last, die sie auf ihren Schultern trägt. Nicht leicht für eine junge Adlige in der damaligen Zeit, ohne Mann im Haus. Die Tapferkeit und die Kraft Sophies beeindruckten mich. Sie stellte sich brav hinter ihre Herrin bei jeder Gefahr.
Die Autorin schreibt sehr flüssig und bildhaft, es war kein Problem mir das Haus, die Angestellten, die Arbeiter, die Hauptcharaktere und die Umgebung vorzustellen. Es ging sogar soweit, dass ich selbst bei 25 Grad Außentemperatur die Kälte des Winters spüren konnte und ich vor lauter Gänsehaut zur Jacke griff.
Außerdem gibt Lilach Mer einen tollen Einblick in das Leben und dessen Tücken der damaligen Zeit. Da wird einem mal wieder bewusst, wie gut es uns heute geht und wie sehr sich der Stand einer Frau in der Gesellschaft gewandelt hat.
Das Buch ist wunderbar geschrieben und für alle, die Historisches und Mystisches gerne lesen, absolut empfehlenswert. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Werkes, ich fühlte mich wohl in dieser Welt und werde den Werdegang der Autorin in Zukunft mit gesteigertem Interesse verfolgen.

 Lilach Mer wurde 1974 geboren und wuchs in Berlin und Schleswig-Holstein auf. Tagsüber arbeitet sie als promovierte Juristin an einer deutschen Universität, nachts schreibt sie Bücher. „Winterkind“ ist nach „Der siebte Schwan“ der zweite Roman der Autorin.

lilachmer foto

lesenlesenlesenlesenlesena

Lilach Mer
Winterkind
Taschenbuch, 280 S.
ISBN: 978-3-940855-36-7
12,95 EUR

Dryas Verlag

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s