Rezension: Alexandra Fröhlich – Meine russische Schwiegermutter und andere Katastrophen


Dawai, dawai Poletschka

 

meine_russische_schwiegermutter_und_andere_katastrophen

Quelle: Knaur Verlag

Paula ist Anwältin, hat sich gerade von ihrem untreuen Freund Bernhard getrennt und befindet sich mitten in einer Existenzkrise. Mandanten bleiben aus, die Bank fordert Geld. Zudem fühlt sie sich einsam und unglücklich. Ihr Leben ändert sich um 180 Grad als Familie Polyakow auf ihrer Kanzleimatte steht und alles auf den Kopf stellt. Zudem hat der Sohn eine ganz besondere Wirkung auf die Juristin.

Eine sture, russische Schwiegermutter, die auf ihre verrückte Art wie ein Panzer durchs Leben rollt ohne große Kompromisse. Der Klappentext und der Titel des Buches machten Hoffnung auf witzige Stunden. Und gleich im Prolog bekommt der Leser die volle russische Ladung. Paula und ihre Schwiegermutter versuchen nachts einen toten Neufundländer auf dem Hamburger Friedhof zu begraben, die Russin in Leocatsuit und High Heels. Allein diese Vorstellung ließ mich schmunzeln und das erste Klischee, das mondäne Auftreten, war erfüllt. Das diese Aktion natürlich nicht unbemerkt blieb, war auch klar.

Jetzt bekommt der Leser einen Einblick in die Vergangenheit, zum Treffen der Familie mit der Anwältin. Zunächst scheint bei dem Auftrag alles glatt zu laufen, der Sohn ist nett, macht ihr Avancen, sie schmachtet, so wie jede von uns es machen würde bei einem großen russischen, attraktiven Mann und dann kommt die Wende. Paula tat mir in dem Moment leid, hatte sie sich so Mühe gegeben und wird dann so enttäuscht. Doch zu ihrer Überraschung gewinnt sie weitere Mandanten, hauptsächlich aus den osteuropäischen Ländern und ihr Konto freut sich. Und der Familie Polyakow kann sie verzeihen. Ein Fehler?

Paula ist leider wirklich eine graue Maus, ich konnte sie mir während des gesamten Lesens nicht wirklich bildlich vorstellen. Da gab es zu wenig Informationen meiner Meinung nach. Da wurden Darya und Artjom schon ausführlicher beschrieben, hier konnte ein Bild entstehen.
Paula versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen, ihren Eltern, besonders dem Vater zu zeigen, dass sie es schaffen kann. Willensstark ist sie und zeigt immer wieder Kampfgeist und den Eltern gegenüber auch ein wenig Schadenfreude. Und sie leidet unter ihrer Schwiegermutter, weil sie der dominanten Art voll ausgeliefert ist. Darya die Schwiegermutter, eine sehr lebensfrohe, emotionale Person, die forsch und engagiert die Dinge in die Hand nimmt und das immer in einem ganz aufwendigem tollen Outfit. Ich finde sie sehr sympathisch, wahrscheinlich weil sie so verrückt ist. Aber tauschen möchte ich mit Paula trotzdem nicht. So Aktionsreich muss mein Leben nicht sein.
Im Dunkeln bleibt der Leser allerdings was die Jobs von Schwiegervater und Artjom anbelangt. Es wird immer kurz angeschnitten, aber man erfährt nie wirklich was sie machen und wo sie Artjom eigentlich die ganze Zeit immer herumtreibt, wenn er nicht zu Hause ist.Das fand ich sehr schade. Das gibt leider einen Punktabzug.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig, ein Ereignis folgt dem anderen, immer mit einer guten Portion Humor und viel Wodka, so wie es sein muss. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass die witzigste Szene für mich schon im Prolog stattgefunden hat, dennoch kann ich das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Stunden werden verfliegen und mit einem zufriedenen Lächeln wird der Leser das Buch zur Seite legen.

4/5

Autor: Alexandra Fröhlich
Verlag: Knaur
311 Seiten
Euro 12,99

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Dieses Buch habe ich auch im Rahmen der Read and Food Challenge für den März ausgewählt. In Kürze wird er Artikel noch mit einem leckeren russischen Gericht vervollständigt.

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