Türkei Tag 2: Die Reise nach Kappadokien


Unterirdische Städte und wechselnde Landschaften

Wir hatten über 500 Kilometer vor uns, das bedeutete: Sehr früh aufstehen, denn mit einem Reisebus quer durch das Taurusgebirge erzielt man keine Spitzengeschwindigkeiten. Unser Reiseleiter war fit an diesem Tag, nicht nur körperlich sondern auch geistig. Wir erfuhren sehr viel über die Geschichte des Landes, über die ersten Städte, die Osmanen, die Entwicklung der Wirtschaft und über das Klima. Umso weiter wir uns vom Meer entfernten, umso mehr änderte sich auch die Landschaft. Statt Orangen- und Zitronenbäumen sah man an den Berghängen Zypressen, auf den Feldern wogen sich die Pappeln im Winde. Das Grün wechselte allmählich  in ein Beige. Doch unter der strahlenden Sonne, sah alles einfach nur imposant und großartig aus. Selbst der Schnee am Pass auf 1850 Metern machte mir aufgrund der Wärme nichts aus. Was nachdenklich stimmte, waren die Häuser und Dörfer, die auf dem Weg an uns vorbeizogen. Ärmlich, teilweise zerstört, kein Dach, keine Fenster, wenig Wohnraum und viel Müll. Ein Anblick, der mich schaudern ließ und mich daran erinnerte, wie gut wir es haben. Traurig, wie dort nicht nur manche, sondern recht viele Leute noch leben müssen. Die Wirtschaft boomt nur in den Städten, in den großen ist die Bevölkerungszahl in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Konya hatte noch vor zehn Jahren circa 100000 Einwohner, jetzt zählt sie über 1 Million. In dieser Stadt halten wir zum Mittagessen. Den Gästen wird ein großes Buffet geboten mit einer vielfältigen Auswahl an warmen und kalten Speisen. Was auffällt, es gibt keinen Alkohol auf der Karte. Das hängt damit zusammen, dass die Stadt Konya und ihre Einwohner sehr konservativ eingestellt sind. Aber dafür gibt es einen leckeren Cay.

Das Wahrzeichen der Stadt ist das Mausoleum von Mevlana Dschalal ad-Din Rumi, dem Begründer des Mevlevi-Ordens. Heute ist es unter anderem auch ein Wallfahrtsort für viele Pilger und auch uns führte der Weg dorthin. Im Zusammenhang mit dem Mevlevi-Orden dürfte der Begriff Derwisch jedem bekannt sein. Die Mönche tanzen sich während ihres Rituals im Kreise, teilweise bis zu einer halben Stunde halten sie es durch. Sie wirbeln sich regelrecht in Extase, dabei geht immer eine Hand Richtung Himmel, die andere deutet zu Boden. So soll die Liebe von Gott aufgenommen werden und auf die anderen verteilt werden. 1925 wurde dieser Tanz von Atatürk verboten, seit 1954 darf er aber wieder aufgeführt werden. Dieses lange Drehen um die eigene Achse kann man nicht lernen, entweder man hat es in sich oder nicht.

Nun ging es in Richtung Zielort, nach Mustafapasa. Die Landschaft begann sich auf ein Neues zu verändern. Die kargen Landschaften wurden ersetzt durch hohe Felsen, tiefen Tälern und rundem tuffigen Gestein. Man wusste gar nicht in welche Richtung man zuerst blicken sollte, so eindrucksvoll und schön war es anzusehen. Grandios, was Mutter Natur über all die Jahre geschaffen hatte. Doch auch die Menschen in der Gegend haben große Sachen geschaffen, allerdings unterirdisch. Wir besuchten eine ehemalige Stadt, die zum Schutz vor Angriffen gefertig wurde. In den zahlreichen Gängen und verwinkelten Ecken gelangt man von einem Lagerzimmer zu einem Wohn – oder Schlafzimmer. Die Tunnel konnten mit großen runden Steinen verschlossen werden, so dass Eindringlinge andere Wege finden mussten. Ein Labyrinth, welches sicherlich auch einigen zum Verhängnis werden konnte. Wieder ans Tageslicht gekommen, wird der ein oder andere nicht Eingewiesene einen Schock bekommen. Circa zehn Frauen hatten sich hinter ein paar Tischchen aufgebaut und wollten ihre selbstgemachten Püppchen verkaufen. Und sie schrien, was die Kehle hergab: 1 Euro Madame, 1 Euro. Einige trauten sich dann näher zu ihnen heran und wurden mit Puppen gut ausgestattet.

Es war schon dunkel, als uns das nächste Hotelteam in Empfang nahm. Das Hotel punktete zunächst mit seiner orientalischen Einrichtung, nett hergerichteten Sitzgelegenheiten und einem recht alten aber schicken Stil. Die Zimmer durfte man sich leider nicht so genau anschauen. Abgewetztes Holz auf der Tischoberfläche, abgeplatzter Lack in der Toilette, Reste von Seife am Waschbecken. Positiv: Es gab eine nagelneue Matratze zum Schlafen. Das Buffet war morgens wie abends ganz okay. Zum Essen war aber für jeden wieder was dabei.

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