Rezension: Jack Ketchum – Evil


Der Keller der Grausamkeiten

Quelle: Heyne Hardcore

David lebt in einer kleinen Vorstadt in den USA in den 50er Jahren. Es ist eine Stadt, in der jeder jeden kennt, hier herrscht noch eine richtige Idylle. David spielt gern mit seinen Freunden am Bach, es sind eben typische 12-jährige, die gern Unsinn machen, im Tante-Emma-Laden Schokoriegel stehlen und Mädchen ärgern. Dann ziehen zwei Neue in die Stadt, Meg und Susan. Deren Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und wohnen jetzt bei ihrer Tante Ruth. Diese ist alleinstehend, hat selber drei Kinder, Donny, Ralphie und Willie, und soll sich nun auch um die zwei Waisen kümmern. David findet Gefallen an der zwei Jahre älteren Meg, sie ist anders als die Mädchen, die er bis jetzt kannte. Doch schnell fällt ihm die Veränderung an ihr auf, sie wirkt immer zurückhaltender und abwesend. Ruth wohnt mit den Jungs im Haus nebenan. Bei einem Besuch wird ihm klar, warum sich Meg verändert: Zur Putzfrau abkommandiert hält sie das Haus ihrer Tante in Schuß, doch diese ist nicht immer zufrieden und lässt ihre Wut mit Schlägen an beiden Mädchen aus. Doch Meg will sich das nicht länger gefallen lassen und stellt sich gegen die Erwachsene. Diese sperrt sie in den Keller und beginnt sie zu quälen, zu beschimpfen und zu missbrauchen. David ist in einem Zwiespalt, er findet es toll, dass Meg widersprochen hat, doch die Bestrafung muss sein. Schließlich begehrt man nicht gegen Erwachsene auf. Die Misshandlungen finden kein Ende, nehmen immer mehr zu, Ruth lässt ihre eigenen Kinder dabei zusehen, denen sie erklärt, warum sie dies tut. Von da an übernehmen die Jungs die Quälereien. Das Gefühl, Macht zu haben verändert auch Davids Bewusstsein. Sein Mitleid verschwindet: „Man wird einfach dazu getrieben“. Nachdem Meg bei einer Dusche schwere Verbrennungen erleiden muß, setzt bei David jedoch die Erkenntnis wieder ein. Er muss Meg helfen, aus diesem Keller zu entkommen, bevor es zu spät ist…

„Evil“ ist ein Buch, das mich gleichzeitig in den Bann gezogen, aber auch schockiert hat. Die Beschreibungen der Misshandlungen sind nichts für Zartbesaitete. Jack Ketchum wird nicht umsonst als »der furchteinflößendste Autor Amerikas« (Stephen King) bezeichnet. Hin und wieder möchte man das Buch eigentlich aus der Hand legen, geradezu in die Ecke schmeißen, doch die Geschichte fesselt wider Willen. Man fiebert und leidet mit Meg und ist immer gespannt, wie sie die Torturen übersteht – und welche Grausamkeiten als Nächstes kommen werden. Durch den spannenden Aufbau fliegt man förmlich von einem Kapitel zum Nächsten. Hat man „Evil“ dann durch, schwört man sich nur eines: Die Gesellschaft wieder aufmerksamer zu beobachten, um bei Verdacht eher eingreifen zu können.

Fazit: Spannender Geschichtsaufbau mit erschreckendem und aufwühlendem Inhalt.

5/5

Jack Ketchum
334 Seiten
Heyne Hardcore 2006
8,95 Euro

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