Rezension: Baby Jesus Anal Plug – Carlton Mellick III


„Bobby ist ein guter Name für ein Jesukindlein.“

Quelle: Festa Verlag

Mit dem Buch „Baby Jesus Anal Plug“ holt der Autor CARLTON MELLICK III ein ganz besonderes Schmankerl für alle Bizzaro-Fiction-Fans aus seiner Schublade. Wer schon einige Werke von ihm gelesen hat, meint vielleicht, dass da nicht mehr viel kommen kann. Doch wer so denkt, täuscht sich gewaltig. Das Buch besteht aus mehreren Kurzgeschichten, über die ich nicht viel verraten werde, einfach weil sich jeder selber eine Meinung bilden sollte. Es sind sechs Erzählungen, die den Leser in die verrückte Welt von CARLTON MELLICK führen. Ich denke, die einzelnen Titel sprechen für sich.

Baby Jesus Anal Plug

New York

Zuckersüß

Die Stahlfrühstückszeit

Einfache Maschinen

Porno im August

Bereits mit der ersten Geschichte „Baby Jesus Anal Plug“ geht der Leser auf eine Reise in die Welt der Absurdität. Vorab gab es schon Diskussionen um das Cover. Die Darstellung einer nackten, mundlosen Frau mit einem Jesukindlein im Arm, dessen Brust geöffnet ist und eine Spieluhr offenbart, fand wohl nicht bei allen Buchverkäufern Anklang. Amazon zeigt zum Beispiel eine entschärfte Form, weil es ihnen wahrscheinlich zu anstößig war. Dabei ist dieses Buch echt ein Magnet im Buchregal.

Die Titelgeschichte lässt sich kurz zusammenfassen: Es geht um zwei Menschen, die sich ein Jesukindlein kaufen, um es als Anal Plug zu benutzen. Dem nicht genug, spielen Zombies und Klone auch noch eine Rolle. Die Idee und Vorstellung scheint moralisch sehr verwerflich, einige werden sicherlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich denke, man darf den Autor nicht zu ernst nehmen, natürlich möchte er mit diesem Werk provozieren, aber gleichzeitig macht er die Gesellschaft neugierig. So wie bei dieser Erzählung muss man sich auch bei den anderen einfach darauf einlassen können, sei es die Geschichte von den mundlosen New Yorkern oder dem Knubbel Tyler, dessen Kopf aus einem Lolli besteht. Einen tiefgründigen Hintergrund sucht man vergeblich, dessen sollte man sich von Anfang an bewusst sein. So kann man die Geschichten einfach genießen und sucht nicht ständig nach einer versteckten Nachricht.

Beim Lesen fiel mir auf, dass mich sämtliche Emotionen packten. Einerseits schüttelte ich den Kopf, weil ich mir dachte: Auf welchem Trip ist dieser Mensch, wenn er sich solche Sachen ausdenkt? Auf der anderen Seite wiederum konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen, weil die Ideen so herrlich verrückt waren, wie zum Beispiel in „Zuckersüß“. Diese Geschichte entwickelte sich während des Lesens zu meinem Favoriten in diesem Buch. Alle Erzählungen fanden nicht Anklang bei mir, mit „Stahlfrühstückszeit“ und „Porno im August“ konnte ich nicht viel anfangen. Das war mir zu verworren und auch zu langweilig.

CARLTON MELLICK III hat es auch mit diesem Buch wieder geschafft, mich noch neugieriger auf seine weiteren Werke zu machen. Irgendwie möchte man noch mehr von diesem Mann erfahren, mehr von seinen Gedanken, Ideen und seiner bizarren Fantasie.
Wer etwas anderes lesen möchte als gewöhnliche Thriller und wer sich auf das Verrückte, Eigenwillige und Wunderliche von CARLTON MELLICKs Welt einlassen kann, wird mit diesem Buch gut bedient. Nicht umsonst wird MELLICK oft als Tim Burton der Literatur beschrieben, und selbst dieser könnte sich bei dem Autor noch eine Scheibe abschneiden.

5/5

Verlag: Festa
224 gelbe Seiten
14,80 Euro

Festa Verlag Homepage

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