Rezension: Jack Ketchum – Blutrot


“Der Schmerz ist menschlich, nicht höflich!”

 

Es ist ruhig im Wald, Avery Ludlow und sein treuer Hund Red sind zum Fischen an einen Bach gefahren. Sie bleiben jedoch nicht lange allein. Schon von weitem hört und riecht Avery die Jungs, welche die besinnliche Ruhe stören. Das Ärger im Anmarsch ist wittert auch der Hund. Mit einem Gewehr im Anschlag fordern sie Geld von dem alten Mann, da er aber mit leeren Taschen unterwegs ist, machen sich die Bengel den Spaß und erschießen den treuen Begleiter Red. Mit hämischem Lachen und ohne schlechtes Gewissen ziehen sie ab. Avery will Gerechtigkeit und eine Entschuldigung. Er macht sich auf die Suche nach den Tätern.

Nachdem ich schon einige Bücher von Jack Ketchum gelesen habe, fehlte jetzt noch eins: “Blutrot” Das Cover, in tiefem, triefendem Rot gehalten, und der Klappentext machten mich neugierig. Ich erwartete jede Menge Blut, gerade bei dieser Präsentation.

Ich beginne gleich mit meinem Fazit:
Das Buch ist sehr gut geschrieben, das hat Jack Ketchum einfach drauf. Er schafft es auch mit dieser Geschichte mich wieder bei Laune zu halten. Ich las den Roman innerhalb von 24 Stunden durch, auch wenn mich die Geschichte nicht ganz so packte und mitriss, ich erwartete einfach mehr Horror und blutrünstige Szenen, wie das Cover versprach und man aus dem Klappentext vermuten konnte. Von den bisherigen Werken war man es gewohnt, dass spätestens nach 100 Seiten die Spannung und der Nervenkitzel begannen und vor allem die ersten Metzeleien. Doch dieses Buch ist anders als alle anderen. Es erzählt den Kampf eines Mannes um Gerechtigkeit. Es ist ein sehr nachdenkliches Werk mit vielen gefühlvollen Passagen, die mir fast ein paar Tränen in die Augen trieben. Avery wünscht sich die Wahrheit, da die Jungs die Tat leugnen, und versucht auf verschiedenen Wegen und mit unterschiedlichen Mitteln den Mördern ins Gewissen zu reden. Avery hat viele schwere Schicksale erlitten in seinem Leben, er ist ein starker Mann, hat seine Emotionen bei Tageslicht unter Kontrolle, nachts jedoch suchen ihn Albträume heim und verarbeiten sein Leben, oft mit schweißgebadetem Erwachen. Ich litt mit Avery, hoffte mit jeder Seite, er würde endlich seiner Gerechtigkeit näher kommen, mit viel Unterstützung konnte er nicht rechnen. Die Jungen sind einfach verzogen. Der Anführer ein hochnäsiger reicher Schnösel, sein Bruder steht in seinem Schatten und der Freund ist ein armer Schlucker, der das Ansehen genießt. Jungs, denen man ordentlich in den Allerwertesten treten sollte für das, was sie dem Mann angetan haben. Doch der Vater sieht bei Verurteilung seinen Ruf geschädigt und schreitet nicht ein.

Mit diesem Buch zeigt Jack Ketchum wieder eine ganz andere Seite von sich. Mit so viel Emotionen und Leid hatte ich nicht gerechnet. Wer wirklich mal eine sehr ernste, rührende und nachdenkliche Geschichte lesen möchte, sollte sich dieses Buch zulegen. Auf Horror, Kannibalismus oder ausschweifende Sexszenen muss man hier verzichten, aber es ist interessant zu sehen, dass einige Autoren auch eine sanfte Seite an den Tag legen können.

3/5

Verlag: Heyne Hardcore
Autor: Jack Ketchum
270 Seiten
8,95 Euro

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