Rezension:Sebastian Fitzek – Das Kind


Kindermund tut Wahrheit kund

 

Robert Stern ist ein renommierter Strafverteidiger in Berlin. Sein Leben besteht jedoch aus Einsamkeit und Verbitterung, nachdem es das Schicksal in der Vergangenheit nicht sehr gut mit ihm meinte. Sein neuer Auftrag, das ahnt er aber noch nicht, wird sein Leben völlig umkrempeln. Er trifft auf den zehnjährigen Simon, der behauptet, vor 15 Jahren mehrere Menschen ermordet zu haben. Der aufgeweckte Junge bittet den Anwalt um Hilfe. Robert Stern weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er selber bald Hilfe benötigen wird, um aus dem Chaos von Verstrickungen und Vorfällen wieder herauszukommen.

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren, von wo aus er heute als Journalist und Autor für zahlreiche Hörfunkstationen und TV-Sender tätig ist. „Das Kind“ ist der dritte Psychothriller des Schriftstellers. Nach diesem sollten noch weitere spannende Werke wie „Der Augensammler“ oder „Der Augenjäger“ folgen.

Am 18.10.2012 wird dieser Roman als Verfilmung Einzug in die deutschen Kinos halten. Das war hauptsächlich der Grund für mich, vorab dieses Buch zu lesen. Wie sich herausstellen sollte, war dies keine schlechte Entscheidung.

Im Vordergrund der Geschichte steht die abstruse Idee des kleinen Simon, der vor 15 Jahren diverse Morde begangen haben soll. Simon ist ein lebensfroher, aber leider auch kranker Junge. Doch mit seiner unbeschwerten Art schafft er es, das gesamte Buch über seinem Anwalt Robert eine gewisse Ruhe zu übertragen, die er auch benötigt. Sonst wäre dieser vermutlich schon längst vor einen Zug gesprungen. Stern hingegen ist sehr ängstlich, hat immer jemanden bei sich, der ihm zu Hilfe eilen könnte, wenn Gefahr droht. Er ist vollkommen verwirrt von allem. Zumal dann auch noch eine DVD auftaucht, die ihm zu verstehen gibt, dass das traurige Ereignis in seiner Vergangenheit gar nicht so stattgefunden hat. Er ist in so vielen verschiedenen emotionalen Situationen gefangen, dass man beim Lesen eigentlich nur darauf wartet: Wann dreht er jetzt durch?
Unterstützung für seine Nachforschungen bekommt Stern von einem Ex-Sträfling und der Krankenschwester Carina. Man muss genau aufpassen, um mitzubekommen, welche Ereignisse diese mit dem Anwalt verbinden.

Der Autor versteht sein Handwerk. Mit ausschweifenden Sätzen und genauen Beschreibungen gelingt es ihm, den Leser an die Geschichte zu binden, so dass man das Buch nicht wieder weglegen kann. Interessiert und gespannt verfolgte ich die Leidenswege und Erfolge des kleinen Teams, in dem die Mitglieder unterschiedlicher nicht sein können. Doch gerade diese Unterschiede lassen keine Langeweile und keine zähen Passagen entstehen.

„Stern hatte in den letzten Stunden viel gesehen: Leichen mit eingeschlagenen Schädeln, Tote in Arztpraxen und Kühlschränken. Menschen waren vor seinen Augen zusammengeschlagen, erhängt und hingerichtet worden. Er hatte den Anblick eines Kindes ertragen müssen, das verzweifelt versuchte, durch eine Plastiktüte zu atmen, während ein nackter Mann vor ihm durch das Zimmer tanzte.“ ( S. 305 )

Es gibt verschiedenen Rezensionen, die bemängeln, dass man nicht mitfühlen oder mitleiden könnte. Ich empfand es anders. Ich habe mit Simon, Robert und Carina gelitten und vor allem bei Roberts Rückblick in die tragische Vergangenheit mitgefühlt. Ich hoffe doch sehr, dass der Film dem Buch in nichts nachstehen wird. Bin gespannt, wie die Schauspieler dieses Werk auf der Leinwand zum Leben erwecken.

Fazit: Für mich eins der spannendsten Sebastian Fitzek Bücher, die ich gelesen habe. Er schafft es, mit seinem Schreibstil den Leser in das Buch zu ziehen. Die Bilder, die Fitzek mit seinen Wörtern erschafft, dringen tief in die Psyche ein und ließen mich direkt an der Geschichte teilhaben.

Für den Film konnte Regisseur Zsolt Bács einige internationale Schauspieler ins Boot holen. Ben Becker, Eric Roberts oder Peter Greene werden im Oktober den Charakteren des Buches ein Gesicht geben.

5/5

Verlag: Knaur
Autor: Sebastian Fitzek
394 Seiten
9,99 Euro

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