Rezension:Bryan Smith – Verkommen


Hopkins Bend ist ein Städtchen, das seit Jahrzehnten ein grauenvolles Geheimnis hütet. Jedes Jahr im Sommer zu einer bestimmten Zeit verschwinden Touristen von den umliegenden Strassen. In den Wäldern hausen die inzüchtigen Einwohner und amüsieren sich mit ihren besonderen Fängen. Jessica, Hoke, Pete und Megan begegnen dieser Horde und erleben die unmöglichsten und grausamsten Sachen, die sie sich nicht mal in ihren schlimmsten Träumen vorstellen können.

Der Festa Verlag ist bekannt dafür, amerikanische Horror- und Psychothriller zu importieren. Es sind hauptsächlich Werke, die bei großen Verlagen keine Chance haben, weil die Geschichten einfach zu gewagt, zu neuartig und zu extrem sind. So auch die Bücher des amerikanischen Autors Bryan Smith, der sich in den letzten Jahren auf das Niveau von Richard Laymon, Jack Ketchum oder Edward Lee gekämpft hat.

Immer wieder wurde ich durch verschiedene Rezensionen auf diesen Schriftsteller aufmerksam gemacht. Schließlich siegte die Neugier und mein erster Bryan Smith Horrorthriller lag vor mir: “Verkommen”
Der Klappentext klang schon recht vielversprechend, vermittelte aber noch einen zurückhaltenden Eindruck. Auch aus dem Cover des Buches konnte ich nicht wirklich viel auf die Geschichte schließen. Umso gespannter war ich also.
Die ersten Seiten führen den Leser in die Lebensgeschichte von Jessica ein. Diese wurde bei einem privaten Autokauf vergewaltigt und sinnt nun auf Rache. Die Tochter eines hochrangigen Soldaten kennt da natürlich keine Scheu und quält ihren Peiniger nach allen Regeln der Kunst, bis sie auf die Waldeinwohner trifft und selber zur Gejagten wird. Dieser Geschichtsverlauf wird unterbrochen von der tragischen Trennung von Pete und Megan. Ein junges Pärchen auf der Durchreise, welches nach einem Tankstop in die Fänge der Einwohner gerät. Neben diesen Einblicken erfährt der Leser aber auch die Geschichte der Inzuchtfamilien. Abby ist eine von ihnen und hadert mit ihren Gefühlen zu ihrem Fang. Sie verliebt sich und möchte fliehen.
Ich war fasziniert von den Charakteren, wie jeder einzelne für sich, sich weiterentwickelte, an Kraft und Mut zunahm, bzw. was Hass, Frust und Wut mit einem Menschen machen können. Oder wie aus einem “Monster” eine so rührselige und einfühlsame Person werden kann. Bryan Smith hat ein sehr tolles Talent gerade diese Emotionen bildstark rüberzubringen.
Der Wechsel zwischen den Geschichten passierte immer wieder in den spannendsten Momenten und wie gefesselt und gebannt lass ich mich durch die Seiten von Kapitel zu Kapitel.
Bis zu diesem Buch hatte ich gemeint, schon sämtliche skurrile und bizarre Morde bzw. Abschlachtungen zu kennen, aber Bryan Smith schafft es, noch einen draufzusetzen. Es geht noch ekliger, blutiger und sadistischer als es Brett McBean oder Richard Laymon schon zeigten. Selbst Jack Ketchum wird da ein wenig in den Schatten gestellt. Die Stellen im Buch “Verkommen”, an denen ich das Gesicht angewidert verziehen musste, häuften sich umso weiter ich mich eingelesen hatte. Ich dachte, ich wäre durch die verschiedenen Rezensionen genug vorbereitet, aber selber lesen ist halt doch immer was anderes. Ein kleines Manko gab es: So sehr das Buch mich faszinierte, die Story erinnerte mich ein wenig an Jack Kilborns “Das Hotel”. Aber nur ein wenig.

Fazit: Bryan Smith ist für mich nach Brett McBean der nächste Autor, der es beherrscht, mich an ein Buch so zu binden, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen kann, auch wenn mich oft der Ekel packte und ich hin und wieder kopfschüttelnd über den Seiten hing. Ich werde mir definitiv noch weitere Werke von ihm zulegen und auch diese wieder verschlingen. Es lebe die amerikanische Horrorliteratur! Selbst Marcel Reich- Ranicki hat Festa gestanden: »Kein Zweifel, auch jenseits des Atlantiks wird nur mit Wasser gekocht, aber die dortigen Schriftsteller beherrschen ihr Handwerk sicherer und besser als die meisten der unsrigen.« (Zitat zu lesen auf http://www.festa-verlag.de)

5/5

Festa Verlag
377 Seiten
Autor: Bryan Smith
13,95 Euro

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