Rezension: Steve Mosby – Schwarze Blumen


Die Frucht des Grauens

Ein kleines Mädchen steht verloren und verwirrt auf der Strandpromenade. Sie umklammert eine Damenhandtasche, in der sich eine schwarze Blume befindet. Der Polizei verrät sie weder ihren Namen, noch ihre Herkunft oder wie sie zu dieser Tasche kam. Das Einzige, was sie erzählt sind bizzare Geschichten die sie erlebt hat, auf der Farm ihrer Eltern.
Die gleiche Geschichte findet sich in einem Kriminalroman des Autors Robert Wisemann wieder. Die schwarze Blume. Doch der Autor ist tot, wurde ermordet.
Neil schreibt selbst Romane, möchte seinem Vater Christopher Dawson nacheifern. Die Mitteilung über den Tod des geliebten Vaters schockiert ihn sehr. Bei den Sachen des Verstorbenen findet er das Buch Wisemanns mitsamt einigen Notizen, einer Landkarte, diversen Fotos, Telefonnummern und einer schwarzen Blume. Besteht ein Zusammenhang zwischen dem Tod des Vaters und dem des Autors? Nachdem auch noch seine geliebte Ally verschleppt wird, ahnt Neil nichts Gutes und begibt sich auf die Suche und in die Gefahr.

Schwarze Blumen, der Titel machte mich neugierig. Wie entstehen sie, wo kommen sie her? Fragen, deren Antworten sich wohl beim Lesen ergeben würden. Doch schnell machte sich Enttäuschung bei mir breit. Nach den ersten spannenden Seiten, welche die Entdeckung und die Erlebnisse des Mädchens beschreiben, kam die Ernüchterung. Auf einmal erzählt ein alter Mann über sein Krebsleiden und seine Schmerzen. Er beobachtet Frauen und Kinder. Man hat eine Vermutung, wie er mit der ganzen Geschichte zusammenhängt, doch tappt man ein wenig im Dunkeln. Dann gibt es noch die Polizistin Hannah, die den Tod von Mr. Dawson aufklären soll. Sie entdeckt Material in den Unterlagen ihres Vaters, ebenfalls Polizist, das sie verwirrt und schockiert. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Welche Verbindung hat ihr Vater zu dem aufgefundenen Mädchen? Die Geschichte, die Neil erzählt, ist in der Ich-Form geschrieben. Seinem Leiden, dass der Vater tot ist und die Geliebte anscheinend in den Händen eines Wahnsinnigen ist, kann man sehr gut mitfühlen, seine Gedankengänge und seine Angst werden ausführlich dargestellt und umschrieben. Die einzelnen Geschichten werden immer wieder unterbrochen durch Passagen aus dem Buch von Robert Wisemann, welche dann die Hintergründe ein bisschen näher bringen und dem Leser dabei helfen, die einzelnen Schicksale zu kombinieren. Man muss sich sehr konzentrieren während des Lesens, damit man keinen Hinweis übersieht, denn sonst sitzt man mit einem großen Fragezeichen im Gesicht auf der Couch. Auch die Umstellung von Ich – Form auf dritte Person verwirrt teilweise ein wenig. Legt man das Buch auch nur mal zwei Tage zur Seite, fällt es einem auch schon wieder schwer in die Geschichte reinzukommen. Leicht zu lesen ist es definitiv nicht. Ich fühlte mich, als würde mich jemand die ganze Zeit zwischen den Schicksalen hin und her werfen. Doch wenn man dranbleibt, wird man belohnt. Nach der anfänglichen Enttäuschung kommt die Neugier. Die letzten Kapitel überschlagen sich regelrecht mit Ereignissen, eine Aufklärung folgt der Nächsten. Vielleicht ein bisschen zuviel des Guten. Das Ende gestaltet sich dramatisch und endlich auch mit typischen Horrorszenen, wie es sich für ein Thriller gehört und mit einer kleinen Überraschung. Und man erfährt, wie die schwarzen Blumen entstehen. Die Spannung baut sich während des Lesens konstant auf, ständig erwartet man eine Wende, ein Ereignis, vielleicht einen weiteren Mord. Dem Autor gelingt es so, den Leser an sein Buch zu binden, auch wenn man das Buch womöglich zu Beginn am liebsten zur Seite legen würde. Dazu passt eine Stelle aus dem Buch sehr gut. „…, dass Bücher auch noch eine ganz andere Dimension erreichten, wenn die vielfältige Gestalt des Lebens in Ideen umgewandelt wurden.“

Insgesamt ein Buch, das ich sicherlich empfehlen kann, wer gerne rätselt und kombiniert, für Denjenigen ist es hervorragend geeignet.

Steve Mosby wurde 1976 in Horsforth/Yorkshire geboren, er studierte Philosophie und lebt als freier Schriftsteller in Leeds. Bereits seit seiner Kindheit ist Schreiben seine Leidenschaft. Mit Der 50/50 Killer gelang ihm der Durchbruch als erstklassiger Thrillerautor.

5/5

Verlag: Droemer
Autor: Steve Mosby
395 Seiten
14,99 Euro

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s